KI-gestützte Videobeobachtung am Dortmunder Hbf

Künstliche Intelligenz als Unterstützung
Am Hauptbahnhof kommt eine innovative KI-Lösung zum Einsatz. Ziel ist es, kritische Situationen frühzeitig zu erkennen und einzugreifen, damit sie gar nicht erst eskalieren. Datenschutz, Transparenz und die Sicherheit unbeteiligter Personen haben dabei oberste Priorität für uns. Das beutetet, die KI unterstützt die Mitarbeitenden von DSW21, trifft aber keine eigenen Entscheidungen.
Das Wichtigste im Überblick
- DSW21 hält sich an die geltenden gesetzlichen Anforderungen
- Von der KI werden zu keiner Zeit biometrische Daten ausgewertet
- Die KI trifft keine eigenen Entscheidungen
- Enge Zusammenarbeit mit Projektpartnern wie Staige, Adesso, der Polizei und dem VRR
- Ziel ist die Erhöhung der Sicherheit bei Großveranstaltungen und Verkürzung der Reaktionszeit
- Es werden keine zusätzlichen Kameras installiert

FAQ
Häufig gestellte Fragen und Antworten
Die KI erkennt frühzeitig die Bewegungsmuster von körperlichen Auseinandersetzungen und macht die Mitarbeitenden der Leitstelle unverzüglich darauf aufmerksam.
Im Zuge des Pilotprojektes möchte DSW21 umfassende Erfahrungen mit dem Einsatz von KI bei der Videobeobachtung sammeln. Durch die frühzeitige Erkennung von körperlichen Auseinandersetzungen sollen noch schneller entsprechende Gegenmaßnahmen eingeleitet werden können. Die Sicherheit von Fahrgästen und Mitarbeitenden soll somit noch weiter erhöht werden. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Großveranstaltungen bzw. größeren Menschenansammlungen, die mit dem menschlichen Auge und herkömmlichen Kameras in ihrer Gesamtheit häufig nur schwer zu erfassen sind.
Das System von Staige nutzt zur Erkennung von körperlichen Auseinandersetzungen eine so genannte Semantische KI. Dabei wird der visuelle Kontext einer Szene erfasst und eingeordnet. Darüber hinaus kommen auch klassische KI-Modelle zur Erfassung von Personen bzw. deren Bewegungsmustern mit räumlichem und zeitlichem Bezug zum Einsatz.
Für das Pilotprojekt werden keine zusätzlichen Kameras installiert. Die Kameras selbst werden auch nicht mit KI-Technik bestückt – siehe Info-Grafik.
Es werden von der KI zu keiner Zeit biometrische Daten ausgewertet. Außerhalb des Kontextes der körperlichen Auseinandersetzungen werden keine allgemeinen oder individuellen Verhaltens- und Bewegungsmuster erkannt oder erfasst.
Die definierten Bildbereiche werden durch eine semantische KI analysiert und mit hinterlegten Mustern von körperlichen Auseinandersetzungen verglichen. Das System ermittelt dadurch über einen kurzen Zeitraum die Wahrscheinlichkeit für eine körperliche Auseinandersetzung. Liegt eine signifikante Wahrscheinlichkeit für einen Vorfall vor, gibt das System diese Information an einen Mitarbeitenden in der Leitstelle weiter.
Sobald die KI eine mögliche körperliche Auseinandersetzung erkennt, wird das Live-Bild auf einem zuvor schwarzen Monitor in der Leitstelle eingeblendet. Anschließend wird die Situation von einem DSW21-Mitarbeitenden überprüft und bewertet. Gemäß den üblichen Verfahrensweisen benachrichtigt dieser gegebenenfalls Service- und Sicherheitskräfte sowie die zuständigen Ordnungsbehörden.
Im Anschluss an die Prüfung schaltet sich der Monitor wieder schwarz und es werden keine weiteren Live-Aufnahmen gezeigt.
Das System von Staige ist für den Einsatz in unterschiedlichen Umgebungen ausgelegt und kann kontinuierlich an die jeweiligen Gegebenheiten angepasst werden. Über eine geschlossene Feedback-Schleife können erkannte Ereignisse direkt in der Anwendung durch die Mitarbeitenden von DSW21 bewertet werden. Diese Rückmeldungen fließen in die Optimierung der Erkennung ein und ermöglichen eine schrittweise Reduzierung von Fehlalarmen. Sprich: Durch konstantes Feedback lernt das KI-System und verbessert sich somit stetig.
Ein Export der Rohbilddaten an Staige zum Zwecke des Trainings ist nicht vorgesehen und für die Optimierung des Systems nicht erforderlich.
Das Pilotprojekt ist zunächst auf mehrere Monate angelegt.
DSW21 konzentriert sich gegenwärtig auf das aktuelle KI-Pilotprojekt im Bereich der Verteilerebene des Hauptbahnhofs. Wenn sich der KI-Einsatz dort nachdrücklich als hilfreich für die Praxis erweist, werden wir uns mit weiteren Einsatzmöglichkeiten beschäftigen. Denkbar ist beispielsweise der Einsatz von KI, um die Fahrgast-Auslastung an Haltestellen und in Fahrzeugen zu messen.
Das Dortmunder Pilotprojekt unterscheidet sich von Projekten in Bremen und Düsseldorf insbesondere durch den Einsatz eines semantischen KI-Moduls. Während viele bestehende Systeme Gewalterkennung auf Basis von Körperposen oder Skelettdaten einzelner Personen durchführen, bewertet die semantische KI die gesamte Szene im räumlichen und situativen Kontext. Der Vorteil dabei: Weil die KI die Gesamtsituationen interpretiert, können Handlungen und Interaktionen unabhängig von einer vollständigen Erkennung von Posen bzw. Bewegungen in ihren Kontext eingeordnet und bewertet werden. Teilverdeckungen, Schatten oder schwierige Lichtverhältnisse sind dabei keine größeren Störfaktoren.
Der Kontakt zur Firma Staige wurde über den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) vermittelt. Staige kann viele Referenzen aus unterschiedlichsten Anwendungsfeldern vorweisen – so ist beispielsweise erst kürzlich ein ähnliches Projekt von Staige bei der Berliner Polizei gestartet.
Ziel des Projektes ist die Früherkennung von körperlichen Auseinandersetzungen – insbesondere in größeren Menschenmengen. Dafür ist die direkt über der Stadtbahn-Station gelegene Verteilerebene besonders geeignet, weil über diesen zentralen Knotenpunkt viele Menschen zu Großveranstaltungen in der Stadt anreisen. Die prägnantesten Beispiele sind dabei sicherlich die Heimspiele des BVB.
Das KI-Pilotprojekt ist auf die Verteilerebene direkt über der Stadtbahnstation „DO-Hauptbahnhof“ begrenzt.
Ja, die KI ist die ganze Zeit über im normalen Stadtbahnbetrieb im Einsatz. Auch dort ist die Früherkennung von körperlichen Auseinandersetzungen äußerst hilfreich und auch dort können wertvolle Erfahrungswerte im Einsatz von KI gewonnen werden.
Dies hängt maßgeblich von den Ergebnissen des Pilotprojektes ab.
DSW21 nutzt alle vorhandenen digitalen Kanäle der Fahrgastinformation, um die Fahrgäste über das Pilotprojekt zu informieren. Vor Ort weisen außerdem Plakate und Aufsteller auf das Projekt hin. Darüber hinaus wird die Öffentlichkeit im Zuge einer umfassenden Medienarbeit von DSW21 über das Vorhaben informiert.
Das KI-System arbeitet komplett lokal mit einem vor Ort installierten KI-Server, der ohne eine Verbindung zum Internet betrieben wird. Der Zugriff auf das System zur Kalibrierung und Wartung erfolgt durch die Staige-Mitarbeitenden nur in Begleitung von DSW21-Personal.
Für das KI-Pilotprojekt hat DSW21 technische, organisatorische und datenschutzrechtliche Maßnahmen umgesetzt, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen. Die KI dient ausschließlich dazu, auf definierte sicherheitsrelevante Ereignisse hinzuweisen: Es handelt sich um einen so genannten Anlassbetrieb, das bedeutet die Liveansicht wird nur dann aufgeschaltet, wenn die KI eine potenzielle körperliche Auseinandersetzung erkannt hat. Hierzu analysiert sie die bereits vorhandenen Videobilder der bestehenden Videobeobachtung von DSW21, die in der Leitstelle nicht dauerhaft gleichzeitig beobachtet werden können.
Die KI unterstützt die Mitarbeitenden dabei, mögliche sicherheitsrelevante Ereignisse zu erkennen, indem sie gezielt auf die betroffene Kameraansicht aufmerksam macht. Die Entscheidung über die weitere Bewertung der Situation und notwendige Maßnahmen treffen weiterhin ausschließlich die Mitarbeitenden von DSW21.
Die Verarbeitung erfolgt vollständig innerhalb der Infrastruktur von DSW21. Es werden keine Daten an externe Cloud-Dienste übertragen, der eingesetzte KI-Server ist nicht mit dem Internet verbunden und DSW21 hat jederzeit die volle Datenhoheit. Wichtig ist auch zu betonen, dass von der KI zu keiner Zeit biometrische Daten ausgewertet werden. Auch weitere Anforderungen wie ein rollenbasiertes Zugriffskonzept, umfangreiche Dokumentationspflichten bei Weitergabe des Materials an die Ermittlungsbehörden sowie Einschränkungen durch das Versammlungsfreiheitsgesetz werden jederzeit vollumfänglich berücksichtigt.
Das KI-System erstellt keine eigenen dauerhaften Videoaufzeichnungen und dessen Einsatz führt auch nicht zu einer Verlängerung der bestehenden Speicherfristen. Für die Analyse nutzt das KI-System die Bilder der bereits bestehenden Videobeobachtung von DSW21. Erkennt das KI-System anhand definierter Bewegungsmuster ein mögliches sicherheitsrelevantes Ereignis, wird einen entsprechender Hinweis an die Leitstelle übermittelt und das zugehörige Livebild zur Bewertung durch die Mitarbeitenden von DSW21 angezeigt. Die Entscheidung über das weitere Vorgehen erfolgt stets durch die Mitarbeitenden der Leitstelle.
Die zugrunde liegenden Videoaufzeichnungen werden weiterhin ausschließlich im Rahmen der bestehenden Videobeobachtung von DSW21 verarbeitet und unterliegen den dort festgelegten Speicher und Löschfristen von max. 96 Stunden (im Bereich von Haltestellen). Innerhalb dieses Zeitraums können die Aufzeichnungen zur Prüfung von Vorfällen, zur Bewertung möglicher Fehlalarme sowie zur Qualitätssicherung des Pilotbetriebs herangezogen werden. Nach Ablauf der Speicherfrist werden die Aufnahmen automatisch gelöscht.
Die Videoaufzeichnungen der bestehenden ortsgebundenen Videobeobachtung werden grundsätzlich für maximal 96 Stunden gespeichert und anschließend automatisch gelöscht. Die eingesetzte KI-Technologie verändert diese Speicherfrist nicht. Sie analysiert die bereits vorhandenen Videobilder, um auf mögliche sicherheitsrelevante Ereignisse hinzuweisen. Eine längere Speicherung erfolgt nur in gesetzlich zulässigen Ausnahmefällen, wenn die Aufzeichnungen zur Aufklärung eines konkreten Vorfalls benötigt oder durch Polizei oder Staatsanwaltschaft unter Angabe eines Aktenzeichens Videodaten angefordert werden. In diesen Fällen können die betreffenden Sequenzen gesondert gesichert und entsprechend den rechtlichen Vorgaben aufbewahrt und den Behörden zur Verfügung gestellt werden.
Datenschutz und Transparenz
Der verantwortungsvolle Umgang mit personenbezogenen Daten hat für uns höchste Priorität. Wie die KI-gestützte Videobeobachtung funktioniert, welche Daten verarbeitet werden und welche Rechte Sie haben, erfahren Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.